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Locker auf dem Pferderücken

Ruhig und aufrecht sitzen und im Becken locker mitschwingen: Den richtigen Reitersitz einzunehmen ist leichter gesagt als getan. Jörg Jacobs, Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule Münster, erklärt, worauf es ankommt.

LandFlair: Die wichtigste Frage zuerst: Wie sieht die ideale Sitzposition aus?

Jacobs: Beim korrekten Grundsitz bilden Schulter, Gesäß und Absatz eine gerade Linie, ebenso wie Unterarm, Zügelverlauf und Pferdemaul. Der Körper ist aufgerichtet, der Blick geht geradeaus, beide Gesäßknochen liegen gleich belastet auf dem Sattel auf, die Beine hängen locker nach unten, sodass Hüft-, Fuß- und Kniegelenk leicht angewinkelt sind. Ob der Grundsitz richtig ist, lässt sich an einer einfachen Übung feststellen: Kann der Reiter ohne Pferd in seiner Sitzposition noch stehen, sind Sitz und Gleichgewicht gut.

LandFlair: Klingt gar nicht so schwer. Trotzdem haben viele Reiter Probleme, den richtigen Sitz zu finden.

Jacobs: Ja, denn der Grundsitz darf keine aufgesetzte, mechanische Haltung sein. Unabhängig von der korrekten Sitzhaltung muss man innerlich und äußerlich loslassen und sich ins Gleichgewicht bringen. Die Muskulatur darf nicht fest sein, sondern wird ständig an- und abgespannt, damit die Bewegungen über den ganzen Körper hinweg durchschwingen können.

LandFlair: Was sind typische Fehler, die immer wieder gemacht werden?

Jacobs: Gerade Anfänger gehen häufig in den Spaltsitz. Der Oberkörper geht nach vorn, die Knie und der Absatz kommen hoch und es wird insgesamt eine Schonhaltung eingenommen. Der Grund ist meist Angst, der Reiter macht sich quasi klein. Oft wird auch das Bein überstreckt, sodass keine harmonische Bewegung möglich ist. Oder die Fußspitze wird nicht korrekt 45 Grad nach außen gedreht, und das Pferd wird mit den Oberschenkeln statt mit den Waden angetrieben.

LandFlair: Wie kann man Sitzfehlern von Anfang an gegensteuern?

Jacobs: Indem man lernt, die Bewegungen aus dem Pferd heraus zu spüren. Wir beginnen den Reitunterricht beispielsweise ohne Sattel und führen die Pferde dabei gezielt über Unebenheiten. Ebenso wichtig ist es, auf seinen Körper zu hören statt zu versuchen, ihn in die vorgegebene Grundform zu pressen. Nur ein Beispiel: Der Reiter legt sich nach vorn auf den Hals und pendelt dann in seine Mitte zurück, sodass er die richtige Haltung erspüren kann.

LandFlair: Ist der korrekte Sitz auch für erfahrene Reiter noch ein Thema?

Jacobs: Das sollte er auf jeden Fall sein, damit sich Bewegungsfehler erst gar nicht einschleichen. Man muss sich immer wieder selbst reflektieren und fragen: Sitzt man richtig? Es geht darum, sich jedes Mal neu auszu-balancieren und ins Gleichgewicht zu bringen – auch mental – und sich zu fragen: Wie geht es mir heute? Wie geht es dem Pferd? Auch regelmäßige Videoanalysen helfen, den eigenen Sitz zu korrigieren.

LandFlair: Ein guter, breit aufgestellter Reitunterricht ist das eine. Kann man auch außerhalb des Reitunterrichts etwas tun, um die Sitzhaltung zu verbessern?

Jacobs: Auf jeden Fall. Leider bewegen sich viele Kinder immer weniger und werden immer unsportlicher. Ich empfehle deshalb, unabhängig vom Reiten Sport zu treiben. Gut sind zum Beispiel Joggen, Slackline und Ballsportarten, also Sportarten, die sowohl Kondition als auch Koordination trainieren.

Sitzübungen im Sattel von Jörg Jacobs

Beine kreisen lassen
1. Die Bügel überschlagen und beide Beine aus der Hüfte heraus wie beim Fahrradfahren kreisförmig heben und senken.
2. Beine hängend kreisen lassen. Dabei Oberschenkel aus dem Sattel herausheben. Auf eine frei getragene Hand achten und keine Ausgleichsbewegung mit Hüftgelenk oder Gesäß machen.

Im Halten leichttraben
Steigbügel stark verkürzen und Füße so setzen, dass man im Fußgelenk gut nach unten federn kann. Zügel nachgeben, im Halten leichttraben und mit dem Fußgelenk nach unten durchfedern.

Aufstehen im Leichttrab
Im Sattel stehen bleiben, ohne sich am Zügel festzuhalten. Dazu Zügel ganz hingeben. Als Variation zweimal aufstehen und einmal sitzen bleiben und umgekehrt. Wichtig: die Hand still stehen lassen und darauf achten, dass die Schulter nicht fest und blockiert ist.